Kreislaufwirtschaft und Urban Mining

Um Ressourcen zu schonen, gilt es, Substanz zu erhalten, vorhandene Potenziale von Gebäuden auszuschöpfen sowie verwertungsorientierten Rückbau zu forcieren. 

Den größten Hebel, um Ressourcen einzusparen, sehen wir daher in der langfristigen Bestandserhaltung, der lebenszyklusorientierten Betrachtung sowie der Wiederverwendung von Sekundärrohstoffen, die durch Abbruch und Sanierungstätigkeiten entstehen. Um die mit Bestandsgebäuden verbundenen Materialien möglichst lange in Verwendung zu halten, ist neben der Instandhaltung des Gebäudebestandes auch die Rückbau-Optimierung und die Abfallvermeidung im Auge zu behalten.

Das bedeutet, dem Grundsatz Reduce – Reuse Recycle zu folgen.

Zur Optimierung des Materialeinsatzes im eigenen Portfolio, werden seitens des Konzerns im Rahmen von Pilotprojekten Erfahrungen für künftige Projekte gesammelt. Dazu werden Potenzialanalysen für ausgewählte Objekte im Vorfeld durchgeführt, Rückbaukonzepte erarbeitet und gemeinsam mit Partnern wiedereinsetzbare Wertstoffe gewonnen.

eine funktionierende Kreislaufwirtschaft auch nachhaltig zum Laufen zu bringen, braucht es die gemeinsame Anstrengung aller Beteiligten und eine Optimierung der dafür erforderlichen Rahmenbedingungen. Eine Herausforderung stellen dabei der logistische Aufwand, das Zeit- und Raummanagement sowie die Beschaffung der erforderlichen Infrastruktur zur Verarbeitung vor Ort, die für das Projekt eingeplant werden müssen, dar.

​​​​​​​MedUni Campus Mariannengasse, Wien

Durch verwertungsorientierten Rückbau des alten Energie-Wien-Gebäudes zum neuen MedUni Campus in der Mariannengasse, Wien, mit BauKarussell, dem ersten österreichischen sozioökonomischen Anbieter dafür, konnten über 140 t Materialien bewegt werden.

Davon wurden 60 t der direkten Wiederverwendung zugeführt. So fanden etwa hundert Jahre alte Paternosterkabinen ihren Weg ins Wiener Aufzugmuseum, eine Do it yourself (DIY)-Fahrradreparaturwerkstatt entstand ausschließlich aus Bauteilen des Objekts und Elemente im Jugendstil werden im Park Hrabalek im Böhmischen Prater in Wien, zu sehen sein.

Weitere 80 t wurden in händischer Demontagearbeit sortenrein getrennt und in die stoffliche Verwertung gebracht, darunter Leuchtstoffröhren, Zwischendecken sowie diverse Fraktionen an Buntmetallen. Dafür wurden 4.775 Stunden sozialwirtschaftliche operative Arbeitsstunden geleistet.

Wildgarten und Village im Dritten in Wien

Auch die Wiederverwertbarkeit von mineralischen Wertstoffen (Erdaushub) wird im Rahmen von Pilotprojekten geprüft. Nach einer Bodenanalyse von mineralischer und humoser Bodenmasse zeigten sich für die weitere Verwertung vor allem logistische Herausforderungen, die durch ein gutes Zusammenspiel der Handelnden gelöst werden konnten. Das betraf die Bereitstellung von Zwischenlagermöglichkeiten der Materialien und das Freihalten von Flächen für die verarbeitende Infrastruktur, welche für einen längeren Zeitraum benötigt wurden.

Durch das Einrichten einer Ortsbetonanlage konnten rund 20.000 LKW-Fahrten und 150 t CO2 eingespart werden. Der für die Betonerzeugung ungeeignete Sandstein wurde vor Ort gebrochen und Großteils zur Hinterfüllung der Baugruben verwendet. Wertvolle Rohstoffe, wie 15.000 t nährstoffreicher Humus, wurden für die Wiederverwendung im Wildgarten, Wien, bewahrt.

Restmassen kommen im Village im Dritten, einem weiteren Projekt der ARE auf den ehemaligen Aspanggründen in Wien, zum Einsatz. Dort werden vor Projektstart vier von sechs ehemalige Hallen der Technischen Universität Wien durch BauKarussell verwertungsorientiert abgetragen.

Umnutzung Orthopädisches Spital Gersthof und Semmelweisklinik in Wien

Oberste Priorität ist die Substanz von Gebäuden unter Wahrung der Nutzungssicherheit zu erhalten. Die Umnutzung des ehemaligen Krankenhauses in Gersthof in ein Ausweichquartier der Schule Klostergasse ist ein gutes Beispiel dafür, wie es funktionieren kann. Die vormals medizinisch genutzten Räume sollen danach auch langfristig der Bildung zugeführt werden.

Gleiches gilt für die ebenfalls 2020 erworbenen drei Gebäude der ehemaligen Semmelweisklinik, die aufgrund ihrer Raumstruktur für Bildungszwecke gut geeignet sind. So bleiben die denkmalgeschützten Pavillons als Bildungsraum für viele weitere Jahre in Verwendung, auch die rund 2,7 ha große Parkanlage bleibt erhalten