Boden & Versiegelung

Da in den kommenden Jahren mit einer Bevölkerungszunahme in den Städten und mit einer Zunahme von Hitzetagen zu rechnen ist, müssen sowohl Bestandsgebäude als auch Neubauprojekte an die Klimaveränderungen und zu erwartenden Extremwetterereignisse angepasst sowie eine Verschlechterung des Mikroklimas verhindert werden.

Um die Auswirkung der Bauvorhaben bereits in der Planungsphase auf die unmittelbare Umwelt sichtbar zu machen und Maßnahmen kosten- und ressourceneffizient einsetzen zu können, wird verstärkt mit dem GREENPass© gearbeitet, an dessen Entwicklung die Universität für Bodenkultur Wien und die Technische Universität Graz beteiligt waren. Simulationen wie diese, die die Auswirkungen des Bauvorhabens unter Berücksichtigung des Standortes beschreiben, werden zum Teil bereits ab Wettbewerb und in Folge planungsbegleitend für Projekte des Konzerns eingesetzt. Sie haben die Optimierung der Baukörpersetzungen, deren Einbindung in Freiflächen und die langfristige Kostenoptimierung zum Ziel. Vor allem bei den Neubauprojekten der ARE Development wird diesem Thema sehr große Bedeutung beigemessen.

Um der Hitzentwicklung entgegenzuwirken und Fein- staub sowie Treibhausgase (TGH) zu binden, werden Ausgleichsmaßnahmen gesetzt. Bis 2025 sollen daher die Dachbegrünungen auf zumindest 250.000 m² gesteigert werden. Diesem Ziel sind wir im Berichtsjahr einen Schritt nähergekommen: Waren es Ende 2019 rund 145.000 m², so sind es Ende 2020 rund 174.000 m², das bedeutet einen Zuwachs von rund 29.000 m2 innerhalb des letzten Jahres.

Flächenverbrauch und Versiegelung

In der Bebauung von Flächen geht die BIG verantwortungsvoll mit ihren Flächenressourcen um. Augenmerk liegt auf der Verdichtung des Gebäudebestands und der Schaffung einer hohen Flächeneffizienz auf zumeist vormals bebauten Flächen im urbanen Raum.

Auch der Substanzerhalt und die Optimierung des Bestandes stellen einen wesentlichen Beitrag für den Bodenschutz dar. Daher werden in der Projektentwicklung der BIG und der ARE nach Möglichkeit zumeist vormals bebaute Flächen für Projekte herangezogen („Brown fields“) oder Bestand nachverdichtet. Aufgrund des Nachhaltigen Mindeststandards der BIG müssen zudem bei jedem Neubau oder jeder Generalsanierung zumindest 20 % der Fläche unversiegelt bzw. der Grün- und Freiflächenfaktor errechnet werden24).

Um den natürlichen Wasserhaushalt zu unterstützen und die Bodenfunktionen weitestgehend aufrechtzuerhalten, wird darüber hinaus nach Lösungen für die größtmögliche Versickerung auf Eigengrund gesucht. Daher widmet sich die BIG der Weiterentwicklung von grünen Gebäudesystemen und intelligenter Regenwassernutzung auf Freiflächen. Hier greifen wir auf Erfahrungen im Rahmen von Pilotprojekten zurück: Insbesondere bei der HTL St. Pölten wurde die großflächige Umsetzung eines Drain-Garden-Systems auf 10.000 m² (Parkplatz  und Werkstättendach)  als wirkungsvolle Entkoppelungsmaßnahme vom Kanalsystem sowie zur Optimierung der mikroklimatischen Bedingungen eingesetzt. Das gelang mit Versickerungsflächen in Verbindung mit hoch wasserspeichernden Bodensubstraten, die den Wasserhaushalt der Pflanzen begünstigen, indem sie Regenwasser speichern und durch Verdunstung die unmittelbare Umgebung abkühlen. Systeme wie diese werden vor allem dort in Zukunft eine Rolle spielen, wo Flächen übermäßige Hitze abstrahlen oder die Einleitung des Regen- und Oberflächenwassers in den Kanal nicht mehr möglich ist.

Zur Ermittlung des Fußabdrucks des Gebäudes (Building Footprint) wird die ÖNORM B 1800 oder ersatzweise das erste Untergeschoss herangezogen; er zeigt die durch ein Gebäude beanspruchte Fläche im Verhältnis zur Grundstücksfläche. Im Berichtsjahr waren dies 19 %. Das bedeutet, dass 81 % der Grundstücksfläche von Gebäuden der im Berichtsjahr fertiggestellten Projekte unberührt blieben. In Summe ist der Building Footprint des Konzerns um 1 % kleiner als 2019. Bei fertiggestellten BIG Projekten ist der Building Footprint um 7 % gewachsen. Bei fertiggestellten ARE Projekten ist der Anteil des Building Footprint um 22 % gesunken.

Freiraumgestaltung und Biodiversität

Schonung von Flächen bedeutet Erholungsraum zu schaffen, aber auch den Lebensraum für die Pflanzen- und Tierwelt zu erhalten. Zum Portfolio der BIG zählen große Wald- und Grünflächen wie zum Beispiel Teile des grünen Praters oder der Sternwartepark in Wien, die einen wichtigen Erholungs- und Freiraum innerhalb der Städte bieten. Mit der Verdoppelung der Gründächer, der Forcierung von Fassadenbegrünung und der Neupflanzung von Bäumen im urbanen Raum soll neben der Verbesserung des Mikroklimas, zusätzlicher biodiverser Erholungsraum geschaffen werden.

Beispiele zur Erhaltung des Artenschutzes im Rahmen von Bauprojekten sind

  • die Schaffung einer Hamsterausgleichsfläche auf dem Gelände der Pädagogischen Hochschule Ettenreichgasse Wien
  • ein Habitat für Zauneidechsen im Wildgarten Wien, der darüber hinaus Gemeinschaftsgärten, Blumenwiesen und Wildhecken bietet. Hier wurde auch von vornherein auf den Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden verzichtet und natürlich gewachsener Boden erhalten.
  • zudem zeigte sich im Vorfeld der Bauarbeiten des Einsatztrainingszentrums (ETZ) Süssenbrunn eine erstaunliche Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Unter Beiziehung eines ökologisch Fachkundigen wurde ein Maßnahmenplan entwickelt und Schnirchelschnecken, Weinbergschnecken, Zauneidechsen, Weißbrustigeln, Blindschleichen, Feldhamster, Wildkaninchen und Dachse sowie Pflanzen wie Feld- Mannstreu, Weinrose und Feldrose an den Rand des Baufeldes in sogenannte Ersatzhabitate, die nach strengen ökologischen Gesichtspunkten zu errichten waren, umgesiedelt. 

Auch die österreichweite Zurverfügungstellung von Standplätzen für Bienen auf Liegenschaften des Konzerns soll weiteren wichtigen Lebensraum sichern. Ergänzend dazu unterstützen wir Imkerinnen und Imker im Rahmen einer Bienenschutzpartnerschaft mit „Hektar Nektar“.

GrünPlusSchule GRG7

Im dicht verbauten 7. Bezirk in Wien ist eine Grünoase im und um das BRG Kandlgasse entstanden, die sich nicht nur zu einer im öffentlichen Interesse stehenden Forschungsstation etabliert hat, sondern auch messbar das Mikroklima im Innen- und Außenbereich verändert. Erste Ergebnisse wurden jüngst im Rahmen der Newton-Fernsehreihe  Stadt 4.0: Grün statt Grau gezeigt. An heißen Sommertagen ist es im begrünten Innenhof um 5 Grad kühler, etwa 20 Grad Unterschied wurden direkt an der Wand gemessen.

Bei Altbauten wie diesem - ohne Dämmung der Außenwand - erzielte die begrünte Fassade bis zu 20% weniger Wärmeverluste, wodurch wiederum Strom und Heizungsenergie eingespart werden kann. Gleichzeitig wird die Fassade von Schlagregen und Witterung geschützt.

Begrünung von Dachflächen

Der Gebäudebestand der BIG kann bereits auf einige vor allem extensiv begrünte Dachflächen verweisen, die aktuell erfasst werden. Die jüngste großflächige Begrünung wurde für die HTL St. Pölten vorgenommen, auch dort in Kombination mit einem eigens entwickelten hoch wasserspeichernden Substrat.

Auf ca. 6.000m2 Dachfläche der Werkstättenhalle wurde die Regenwasserrückhaltung durch Aufbringen eines Exentensivsubstrates, anstelle des bisherigen Blechdaches, wesentlich verbessert und kann jetzt ein Abflußbeiwert von 0,5 angesetzt werden. Als Dachbahn wurde eine biozidfreie Variante mit technischem Wurzelschutz gewählt, um die Umwelt zu entlasten.

Retentionsfläche Draingarden

In der HTL St. Pölten, der Pä­da­go­gischen Hoch­schu­le Ba­den und der HLW Türnitz wur­den Ver­sickerungs­flächen in Ver­bin­dung mit hoch was­ser­speich­ern­den Boden­subs­traten mit Erfolg getestet. Beispiel Draingardenerweiterung Parkplatz HTL St. Pölten: Wo vorher ein mit Folie ummanteltes Kiesrigol mit Abflußdrossel als verzögerte Einleitungsmaßnahme in den öffentlichen Kanal diente, kam nun ein von der Universität für Bodenkultur in Wien (BOKU) gemeinsam mit heimischen Unternehmen entwickeltes Bodensystem zum Einsatz. Im Ergebnis wurde das System auf über 4.000m2 PKW-Parkfläche eingesetzt. Pro Kubikmeter Substrat kann dieser mit speziellen Bodensubstraten gefüllte Bodenfilter  bis zu 450 Liter Wasser speichern, das in einer nachfolgenden Trockenperiode wieder an die Bepflanzung (Bäume, Sträucher) abgegeben wird und die direkte Umgebung um bis zu 1 Grad abkühlt. Gleichzeitig wird der Kanal entlastet, da nur noch ein kleiner Teil des Regenwassers langsam gefiltert in das Grundwasser versickert.

Die Pflanzen verdunsten ihrerseits das gespeicherte Wasser und kühlen dadurch ihre Umgebung. Auch die Beschattung durch die Bäume verhindert das Aufheizen der Asphaltflächen durch Sonneneinstrahlung, was zur rascheren abendlichen Abkühlung und Verbesserung des Mikroklimas beiträgt. So sollte ab der 3.-4. Wuchsperiode ein Gießaufwand nur noch in langen Trockenperioden entstehen, danach befindet sich die Bepflanzung in der Regel versorgungstechnisch im Gleichgewicht. Ein weiterer Vorteil ist, dass der DRAINGARDEN Kohlenwasserstoffe ausfiltert und durch die in ihm lebenden Mikroorganismen mit der Zeit auch abbauen kann.